UBW Gunter Hintermayer

Bundesverband Finanzplaner e.V.

Monatsbericht 12/09

 

Wohn-Riester

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Quo Vadis Bankenkrise?

Um zu wissen, wie es mit der Bankenkrise 2009 weitergehen wird, ist es Zeit, das bisher Geschehene in einer Bestandsaufnahme anzuschauen:
Der DAX hat im Börsenjahr 2008 ein Minus von 40,37 % (DAX Stand 31.12.2008: 4.810,20) erlitten.

Wenn man bedenkt, dass die Analysten der Banken- und Investmenthäuser zum Jahresbeginn 2008 noch Stände zwischen 8.000 und 12.000 Punkten prognostizierten, wird einmal mehr deutlich, was Analystenprognosen wert sind.

Der Dax verlor aber im Vergleich zu anderen Indizes nur eher durchschnittlich. Der österreichische ATX verlor 61,20%, die chinesische Börse verlor 65,33 % und der russische RTS gab 72,41 % nach. Insgesamt war das Jahr 2008 eines der verlustreichsten in der Börsengeschichte. Die Ausmaße übertrafen aber alles bisher da gewesene:
Allein die Verluste der Börse von Shanghai addierten sich letztes Jahr auf einen Betrag von 3 Billionen USD. Zum Vergleich: Die chinesische Gesamtwirtschaftsleistung mit mehr als einer Milliarde Menschen lag im Jahr 2007 bei 3,4 Billionen USD.

Die Staatsführer taten, was sie in diesen Zeiten immer zu tun pflegen: Es wurden billionenschwere Hilfspakete geschnürt, Banken (teil-)verstaatlicht, die Geldhähne bis zum Anschlag aufgedreht und die Zinsen gesenkt. Die eigentlichen Probleme sind aber hiermit nicht gelöst, ganz im Gegenteil, der Übergriff der Krise auf die reale Wirtschaft wird erst jetzt spürbar: Einbrüche in der Exportwirtschaft in zweistelliger Höhe, die Preise für Stahl und andere Rohstoffe rauschen in den Keller und der Ölpreis pro Barrel ist binnen eines Jahres um 2/3 gefallen. Die Arbeitslosenzahlen steigen weltweit. Derzeit werden sie durch die staatlichen Konjunkturpakete (noch) gemildert. Nachdenklich macht allerdings, dass genau die Politiker, die noch vor wenigen Jahren strikt gegen Konjunkturpakete waren, diese nun massiv beschließen. Und warum sind die Pakete immer so kompliziert? Warum geht die Politik nicht her und verzichtet befristet auf ein Jahr auf die Erhebung von 19% Mehrwertsteuer? Die Inlandsnachfrage wäre binnen kürzester Zeit angekurbelt. Und es wäre ein Segen für ein Land, dem der Export geradezu weg bricht. 

Der sprachliche Missgriff „Notleidende Banken“ ist zu Recht zum Unwort des Jahres 2008 gewählt worden. Viele Banken sind nicht Opfer der Krise, sondern Täter. Sie haben fahrlässig ihre Bilanzsummen riskant überzogen. Die deutschen Kreditinstitute haben ihre Schuldenberge auf das über Dreifache des Bruttoinlandprodukts Deutschlands aufgetürmt. Sollte die Ausfallrate z.B. 15 % der deutschen Banken-Bilanzsumme von 8 Billionen Euro betragen, so müsste der Staat mit 1,2 Billionen Euro den Banken zur Hilfe kommen. Die Verschuldung des Bundes würde sich in kürzester Zeit verdoppeln. Dies wäre alles kein Problem, wenn nicht irgendwann Zahltag wäre und die aufgenommenen Schuldenberge zurückbezahlt werden müssten.

Würde man die Gelder, welche die Staaten aktuell in ihre Finanzsysteme pumpen, in 500 Euro-Scheinen auszahlen und sie übereinander stapeln, reichte der Schuldenturm Deutschlands für die Banken, aktuell sind das 480 Milliarden Euro, 106 km in die Höhe. Der Turm der USA würde mit einem Paket in Höhe von 1.859 Milliarden Euro 409 km in die Höhe reichen und somit die Umlaufbahn der Internationalen Raumstation auf einer Höhe von 350 km kreuzen.

Wenn man bedenkt, dass vor kurzem in den Haushaltsdebatten des Deutschen Bundestages z.B. für Gesundheits- und Bildungswesen keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung standen, plötzlich aber die Milliarden für die Bankensanierung über Nacht bereit gestellt werden, dann muss jedem einleuchten, irgend etwas läuft hier falsch. 

Mit 10 Milliarden Euro hat der Staat 2002/2003 die Versicherungsunternehmen gestützt.
Bis zum heutigen Tag haben die Gesellschaften diese Gelder nicht an den Staat (sprich: uns)  zurückbezahlt. Warum sollte es also in Zukunft die Bankenwirtschaft tun?

Faktisch stehen Staaten wie Griechenland, Großbritannien, Spanien, Italien, Island, Irland, Ungarn, Lettland und Ukraine vor der Staatspleite. Der Hunger der Banken nach staatlichen Hilfen ist ungebrochen.

Alleine die Hypo Real Estate (entstanden in 2001 aus dem Zusammenschluss der Nürnberger Hypothekenbank, der Süddeutschen Bodencreditbank und der Bayerischen Handelsbank;  Großaktionär ist die Hypovereinsbank) hat mittlerweile Finanzhilfen von 102 Milliarden erhalten. Und das Szenario der Zwangsverstaatlichung und Enteignung der Eigentümer der HRE wird immer wahrscheinlicher. 

Bemerkenswert ist, dass der Anschein aufrechterhalten wird, dass die Probleme der HRE nur aus der Subprime-Krise begründet sind. Dem ist nicht so: Schon knapp 3 Jahre nach ihrer Gründung hat sie im Jahre 2004 faule Kredite in Höhe von 3,6 Milliarden an den Finanzinvestor Lone Star verkauft.

Liegt die Vermutung so fern, dass wieder einmal die Leichen im Keller 2001 neu firmiert wurden, um das Versagen von Bankenaufsicht, Vorständen, Aufsichtsräten und Politikern zu kaschieren?

Auch die Diskussion nach einer „Bad Bank“ nach Londoner Vorbild bricht nicht ab. Zehn  der durch die Bankenkrise am härtesten betroffenen deutschen Banken könnten in einer „Bad Bank“ 1.000 Milliarden Euro fragwürdiger (wertloser ??) Wertpapiere abgeben, um so ihre Bilanzen zu bereinigen. Was geschieht aber, wenn sich eines Tages herausstellt, dass diese Papiere tatsächlich wertlos geworden sind? Letzten Endes zahlt die Zeche zunächst einmal der Steuerzahler. Ist es böswillig zu denken, dass dies von Vater Staat eh so vorgesehen ist?

Gemeinhin erklärt uns der Staat, dass seine Staatspapiere als die sicherste Anlageform gelten. Dies stimmt so lange, bis sie die unsicherste Anlageform werden: Wenn der Staat seine Zahlungsunfähigkeit erklärt. In diesem Augenblick werden alle Staatspapiere wertlos und der Staat ist auf einen Schlag seine Schulden los. Wie im Spielcasino gilt auch hier:
Die Bank und der Staat gewinnen immer….

Innerhalb der letzten 30 Jahre ist das Geldmengenwachstum um den Faktor 50 gestiegen, die reale Gütermenge dagegen nur um den Faktor 4. Dieses Missverhältnis kann dauerhaft nicht fortbestehen, es wird korrigiert werden müssen, notfalls durch eine Währungsreform.  

Ob und wann die Währungsreform kommt, steht in den Sternen. Aber eines ist sicher:
Die Bankenkrise hat uns ein weiteres Stück näher an die Wahrscheinlichkeit eines weltweiten Zahlungsausfalls der führenden Industriestaaten gerückt. Und somit an die erste globale Staatsbankrotterklärung aller Staaten.

Auf was sollten die Anleger achten?

Die Märkte funktionieren (z.B. Preisbildungsmechanismus beim Rohöl), eine Knappheit der Güter kann bisher nicht festgestellt werden, politische Unruhen in den Industrieländern sind  aktuell nicht erkennbar und die Inflationsraten sind rückläufig. Erhöhte Achtsamkeit scheint dann gegeben, wenn die Inflationszahlen wieder beginnen zu steigen. Dann sollten spätestens Anlagen in Rohstoffe, Immobilien und Aktien die erste Wahl sein.

Schon heute möchte ich auf meine Vorträge „Bankenkrise - Wirtschaftskrise - Währungsreform?“ im kommenden Herbst hinweisen. Ich freue mich, Sie dort zu sehen.