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Private Leibrente - lohnenswert?

„Private Leibrente rechnet sich erst ab dem 91. Lebensjahr - Wer früher stirbt zahlt drauf!“


Anbieter mauern bei der Angabe zu Kalkulation und Kosten!

 

Eine private Leibrente lohnt sich nur für Versicherte, die älter als 90 Jahre werden.

 

Alle anderen Rentenbezieher würden von einer einmaligen Kapitalauszahlung mehr profitieren. Das ergaben Berechnungen des Koblenzer Finanzprofessors Heinrich Bockholt für das Handelsblatt.
Er überprüfte aktuelle Angebote der Versicherer. Dem statistischen Durchschnitt zufolge werden Männer derzeit 76 Jahre alt, Frauen 82 Jahr

Ein weiteres Ergebnis: Die Offerten beinhalteten Verwaltungs- und Vertriebsgebühren von mehr als zehn Prozent der eingezahlten Beiträge in der Ansparphase. Diese Kosten wurden in den Angeboten ebenso wenig ausgewiesen wie der hohe Zeitpuffer bei der Leibrente.

Nach Prof. Bockholts Berechnungen müsste in den getesteten Angeboten eine Frau ein Alter zwischen 92 und 98 Jahren erreichen, bevor sie einen Vorteil gegenüber einer einmaligen Kapitalauszahlung hat. Ein Mann profitierte ab einem Alter von mindestens 91 Jahren. Stirbt er früher, geht ein Teil seiner Ersparnisse an die Versicherung. Der Grund: Die Versicherer gehen von der durchschnittlichen Lebenserwartung plus eines „Sicherheitspuffers“ von acht bis 15 Jahren aus. Dieser Puffer ist allerdings aus den Leibrenten-Angeboten ebenso wenig zu erkennen wie die Verwaltungs- und Vertriebskosten während der Ansparphase.

Undurchsichtig sind Prof. Bockholt zufolge in den Angeboten auch die Kosten in der Ansparphase. Sie lägen meist deutlich über zehn Prozent der eingezahlten Beträge. Auch der aktuelle Kapitalmarktzins wurde meist nicht angegeben. „Wir hatten bei den Berechnungen selbst als Experten ununterbrochen Schwierigkeiten.“

Die versteckten Kosten einer Lebensversicherung sind im vergangenen Jahr mehrfach Thema höchstrichterlicher Urteile gewesen. So verlangt das Bundesverfassungsgericht, dass Lebensversicherungsverträge transparenter werden. Der Bundesgerichtshof verdonnerte die Anbieter dazu, den Rückkaufswert der Policen kundenfreundlicher zu regeln.
Prof. Bockholt prüfte für das Handelsblatt eine Reihe von Angeboten größerer Versicherer auf ihre Rentabilität in der Ansparphase und in der Auszahlungsphase. Nach den Modellrechnungen werden den Versicherten in der Ansparphase zwischen elf und gut 16 Prozent der Beiträge für Verwaltung, Vertrieb und andere Kosten abgezweigt. In der Rentenphase fallen dann noch einmal Verwaltungsgebühren in unbekannter Höhe an.

Die Versicherungen weisen in ihren Stellungnahmen darauf hin, dass sie bei der Absicherung des so genannten Langlebigkeitsrisikos vorsichtig kalkulieren müssen. Tatsächlich sind sie dazu von den Aufsichtsbehörden angehalten. Entsprechend schlagen Versicherungsmathematiker auf die derzeitige statistische Lebenserwartung noch einmal knapp zehn Jahre drauf.

Von solchen Kalkulationen erfährt der Kunde in den Angeboten wenig. Stattdessen muss er sich mit Begriffen wie „Rente Komfort“ (Asstel), „Bonusrente mit Sockel“ (Signal Iduna), „flexible Leistungsphase“ (Allianz) und „SingleRente Invest“ (Victoria) auseinander setzen. Den für die Kalkulationen von Überschüssen zugrunde gelegten Kapitalanlagezins wies in den vorliegenden Angeboten lediglich die Huk- Coburg (4,5 Prozent) aus. Die übrigen Anbieter verwiesen nach Rückfrage auf den Geschäftsbericht.

So lässt etwa die Signal Iduna alternative Modellrechnungen unter der Überschrift „bei einem Prozentpunkt geringerer Gesamtverzinsung“ oder „bei einem Prozentpunkt höherer Gesamtverzinsung“ laufen, ohne dass dem Kunden die Bezugsgröße genannt wird. Auch bleibt verborgen, dass von der garantierten Mindestverzinsung in Höhe von 2,75 Prozent noch Verwaltungs- und Vertriebskosten abgehen. Wer etwa bei der Allianz abschließt, dem wird nach Abzug dieser Kosten nur ein effektiver Zins von 1,55 Prozent garantiert (siehe Tabelle).

Stolze Kosten - Bescheidene Zinsen
Eine Leibrente rechnet sich gegenüber einer Kapitalauszahlung nach (Jahren.[**])
VersGes. Kosten eff. Zins
Allianz 14,51% 1,56 % 30 Jahren, 3 Monaten***
Asstel 11,15% 2,002 % 28 Jahren, 4 Monaten****
HUK Coburg 11,15% 1,87 % 30 Jahren, 6 Monaten***
Signal Iduna 13,65% 1,65 % 35 Jahren, 10 Monaten***
Victoria 16,12 % 1,63 % 26 Jahren, 3 Monaten ****
*bei Garantieverzinsung von 2,75 %
**prognostizierte Kapitalverzinsung 2,25 %
*** Frau, 38 Jahre alt, Renteneintritt mit 62
****Mann, 36 Jahre alt, Renteneintritt mit 65
Quelle: Prof. Heinrich Bockholt, FH Koblenz und HANDELSBLATT, Montag, 27. Februar 2006

„Mit Begriffen wie Effektivzins könnten viele Kunden gar nichts anfangen“, verteidigt sich ein Sprecher der Allianz und fügt hinzu: „Der Kunde hat mehr davon, wenn er weiß, wie viel er am Ende ausbezahlt bekommt.“ Die Allianz verweist zudem auf Überschüsse. Der Kunde erhalte zu Rentenbeginn deutlich mehr als die garantierte Mindestverzinsung. Allerdings zweigt der Marktführer auch von den am Kapitalmarkt erwirtschafteten zusätzlichen Gewinnen zwischen 13 und 15 Prozent ab, wie die Kalkulation von Prof. Bockholt weiter ergab. Unter den untersuchten Anbietern gibt lediglich die Huk-Coburg Überschüsse ungeschmälert an den Versicherten weiter.

„In den 80er Jahren errechneten Capital und das manager magazin übereinstimmend: Wer als Aktionär bei der Allianz Leben 10.000 Mark einlegte, machte daraus in dreizehn Jahren einen Gewinn von fast 270.000 Mark, was einer jährlichen Rendite von etwa dreißig Prozent, in den letzten Jahren sogar von vierzig Prozent entsprach. Lebensversicherte erzielten dagegen nur um die fünf Prozent Rendite mit ihrem Lebensversicherungssparen. DER SPIEGEL bezeichnete im März 1998 unter der Überschrift "Legaler Betrug?" die Lebensversicherung als "Renditegrab" und ermittelte, dass ein Kunde der Allianz nach 25 Jahren aus seiner Lebensversicherung 137.326 DM erhalten hat, während er beim Kauf von Allianz-Aktien 752.220 Mark, also fast das Fünffache erhalten hätte. Die Allianz hat z.B. Zigmilliarden Mark an stillen Reserven beiseite geschafft, die die Kurswerte der Aktien allein in den letzten Jahren verdoppelt haben. Den Versicherten wird vorgelogen, man brauche stille Reserven zum Ausgleich von Niedrigzinsphasen am Kapitalmarkt.“

Wenn man nun die neuen Vergleiche und Leistungen mit den o.a. Angaben aus den 80er Jahren vergleicht, stellt man fest, dass sich die Renditen für die „Versicherungssparer“ trotz gestiegener Aktienkurse weiter verschlechtert haben und viele, die mit ihren Versicherungen Schulden tilgen wollten, jetzt aufgrund der geringeren Auszahlungen mit Schulden in Rente gehen bzw. wesentlich weniger Rente bekommen, als prognostiziert wurde.

Gleichzeitig hat der Gesetzgeber im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge durch die Einführung der Kranken- und Pflegeversicherungspflicht in einer ungerechten Art und Weise dafür gesorgt, dass viele Betriebsrentner - auch Altrentner - durch den Wegfall des Vertrauensschutzes finanziell noch schlechter gestellt wurden. Zusätzlich wurde durch die Einführung der Besteuerung für kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen das Vertrauen der Bürger in die Politiker noch mehr demontiert. Wer soll da den Aussagen „von denen da oben“ noch glauben und den Forderungen für mehr private Altersvorsorge nachkommen, wenn er das Gefühl hat, um die „Früchte seiner Arbeit betrogen zu werden“ ?

Was den Vergleich zwischen Kapitalauszahlung und Leibrente betrifft, verweisen die Anbieter auf die langen Garantien. „Wir garantieren Mindestzins und Überschüsse über 50 Jahre, das leistet kein am Kapitalmarkt erhältliches Papier“, sagt ein Sprecher der Victoria. Dagegen meint Finanzexperte Bockholt: „Mit jedem Bundeswertpapier fahre ich besser.“

Unser Tipp:

Behalten Sie Ihr Geld auf einem Konto, bei dem Sie bestimmen, wann und wieviel Sie von dem vorhandenen Kapital verbrauchen wollen, können oder müssen. Um magere Renditen von ein bis drei Prozent p.a. zu erzielen erfordert es keinen Finanzfachmann oder Expertenwissen. Wollen Sie mehr erreichen, nehmen Sie professionelle und unabhängige Beratung in Anspruch.