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Den meisten Börsen-Gurus haben eine bestimmte Antwort parat, wenn sie nach den Gründen ihrer Erfolge gefragt werden: antizyklisches Handeln, also ein Agieren unabhängig von der Masse der Anleger. Die überwiegende Mehrzahl der Investoren agiert aber dennoch zyklisch und folgt damit einer anderen Devise, als sie es von den Experten geraten bekommen.
Da dieses Phänomen einfach nicht unterzukriegen ist, beschäftigen sich immer wieder Vertreter der Behavioral-Finance-Theorie mit diesem Aspekt. Auch die auf die Verhaltensbeachtung von Anlegern spezialisierten Wissenschaftler Christian Rouette und Rüdiger von Nitzsch vom Forschungsinstitut für Asset Management an der RWTH Aachen, haben sich jetzt wieder diesem Thema gewidmet.
In einer neu vorgelegten Studie gehen sie der Frage nach, ob und in welchem Ausmaß sich deutsche Privatanleger zyklisch bei ihren Aktieninvestments verhalten und was sie dieses Verhalten kostet. Als Datenbasis diente dabei der Verlauf der Depotaktienquote deutscher Anleger seit 1989, die aus entsprechenden Statistiken der deutschen Bundesbank ermittelt wurde.
Privatanleger agieren zyklisch
Laut von Nitzsch bestätigen die Untersuchungen die gängigen Annahmen über das typische Verhalten von Privatanlegern. „Anleger erhöhen bei positiven Kursentwicklungen am Aktienmarkt ihre Aktienquote und reduzieren bei schlechten Kursentwicklungen ihre Aktienquote.” Diese Entwicklung ist dabei nicht einmal unbedingt einem aktiven Handeln geschuldet: Das zyklische Verhalten ist im wesentlichen die Konsequenz daraus, daß die Wertentwicklungen bei Aktien über Kursgewinne und Kursverluste sozusagen automatisch die Aktienquote erhöhen oder senken, wenn der Anleger nicht aktiv durch Umschichtungen zwischen Aktien und Renten dagegen steuert.
Dieses unkontrollierte treibenlassen der Aktienquote birgt bei einer Gegenüberstellung der Aktienquote mit der jeweiligen Risikoprämie am Markt jedoch eine schwerwiegende Renditefalle. Denn wie die Wissenschaftler erklären, sinkt die Aktienquote in den Depots der Privatanleger tendenziell immer dann, wenn sich die Risikoprämie erhöht - und sie steigt, wenn die Risikoprämie sinkt. „Um eine hohe Rendite zu erreichen, müßten die Anleger jedoch genau entgegengesetzt die Aktienquote steuern”, gibt Rouette zu bedenken.
Das zyklische Verhalten kostet Rendite
Besonders nachteilig wirkt sich zudem aus, daß auch die aktiven Umschichtungen der Anleger diesem Schema unterliegen. Aktien werden also vermehrt bei einer niedrigeren Risikoprämie gekauft und Aktien bei einer hohen Risikoprämie verkauft. Die Renditenachteile aus diesem zyklischen Verhalten liegen schon gegenüber einer einfachen Anlagestrategie, in der die Aktienquote des Anlegers jedes Jahr wieder auf ein vorher bestimmtes Niveau gebracht wird, bei rund 1,2 Prozent jährlich.
Bei einer Umschichtung alle drei Monate, in der zugleich auch noch die aktuellen Risikoprämien berücksichtigt werden, belaufen sich die Renditenachteile aus dem zyklischen Handeln auf Werte bis zu 2,4 Prozent. Bei der Berechnung der Renditenachteile zeigte sich zudem, daß in allen untersuchten Fällen zyklisches Handeln nicht nur die Rendite schmälert, sondern zugleich auch das Risiko bei einem zyklischen Anlageverhalten zum Teil erheblich über dem Risiko der Vergleichsstrategien liegt.
Unterstützt wird das zyklische Verhalten nicht zuletzt durch psychologische Einflüsse: Zum einen extrapolieren Menschen vergangene Kursentwicklung vorschnell in die Zukunft, zum anderen werden sie aufgrund einer Kontrollillusion bei steigenden Kursen zu risikofreudig und bei fallenden Notierungen aufgrund eines Kontrollverlustes zu risikoscheu.
Tipp: Gezielt gegen den inneren Schweinhund ankämpfen
Der Rat der beiden Wissenschaftler lautet daher wie folgt: Privatanleger müssen darauf achten, daß sie ihre Aktienquote nicht zyklisch mit den Aktienkursen schwanken lassen, sondern gegen den inneren psychologischen Druck antizyklisch Risiko auf sich nehmen oder zumindest die Aktienquote konstant halten.
Und auch für Banken und Finanzdienstleister lassen sich aus ihrer Sicht aus der Studie wichtige Konsequenzen ableiten. „Das empirisch nachgewiesene Fehlverhalten von Privatkunden bietet viele Möglichkeiten, innerhalb entsprechender Beratungsangebote - beispielsweise durch ein Monitoring der Aktienquote - und damit einen messbaren Kundennutzen zu generieren”, gibt von Nitzsch Finanzberatern einen Denkanstoß für neue Beratungsaktivitäten. |