UBW Gunter Hintermayer

Bundesverband Finanzplaner e.V.

Newsletter

Hier können Sie sich für unseren Newsletter an- oder abmelden:

Name:

Email:

Wer ist online?

Wir haben 2 Gäste online
Startseite Archiv Artikel 2005 Ohne Eigenkapital geht es nicht
Ohne Eigenkapital geht es nicht

Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien hat im ersten Halbjahr
dieses Jahres einen Rekordwert erreicht.

Für die ersten sechs Monate wurden an den Amtsgerichten 48.328 Versteigerungstermine angesetzt. Das waren 1,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Insbesondere in den neuen Bundesländern finden Immobilien selbst beim dritten und vierten Anlauf keinen Abnehmer, hieß es. 63 Prozent der Termine betrifft Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen.
Soweit der Inhalt einer nüchternen Pressemitteilung.
Betrachtet man die Ursachen für die Zwangsversteigerungen etwas genauer, wird man feststellen, dass vor allem bei den selbst genutzten Wohnobjekten unzureichende Finanzkonzepte eine zentrale Rolle spielen.Seit Einführung der Eigenheimzulage im Jahr 1996 hat sich am Baufinanzierungsmarkt die Unsitte verbreitet, Baufinanzierungen ohne Eigenkapital darzustellen. Sehr schnell haben damals viele Finanzierungsinstitute die Möglichkeit erkannt mit der Eigenheimzulage Profit zu machen. Die Bausparkassen haben die Eigenheimzulage als festes Sparinstrument in ihre Darlehenskonstruktionen eingebaut. Hier wurde mit Geld des Kunden operiert, welches noch gar nicht vorhanden war.

Dann gesellten sich noch die zahlreichen Eigenheimzulagedarlehen auf dem Markt, bei denen dem Darlehensnehmer die Zulage als Ersatz für fehlendes Eigenkapital schmackhaft gemacht wurde. Hinzu kamen die immer weiter sinkenden Zinsen, die für verträgliche Monatsraten sorgten und „Billigangebote“ der Hausanbieter aus Nah und Fern. Die aggressive Werbung der gesamten Branche tat ein Übriges. Ganz schnell hat sich so die Einstellung verbreitet, eine Baufinanzierung klappt auch ohne den vorangegangenen Sparfleiß.

Wenn in einem Beratungsgespräch zur Immobilienfinanzierung die Frage nach dem Eigenkapital gestellt wird, bekommen die Berater immer öfter zur Antwort: „Eigenkapital ? Nöö, haben wir nicht, aber es gibt doch die Eigenheimzulage. Die kann man sich doch vorher von der Bank holen.“ Tausende solcher Finanzierungen wurden in den letzten Jahren auf die Beine gestellt. Für Bauherren, die kein finanzielles Polster hatten und außerdem auch nur über ein schwaches Einkommen verfügen ein äußerst schlechter Start. Kein Geld für die Absicherung der Arbeitskraft, die Vorsorge für den Todesfall und oftmals mit unzureichenden Billigtarifen versicherte Häuser sind die Folge. Wenn in diesen Familien der „Blitz“ einschlägt, führt zwangsläufig der weitere Weg über das Amtsgericht.

Resultat: Haus versteigert zum Dumpingpreis, Schulden aber nicht getilgt, ab in die Privatinsolvenz. Knapp gestrickte Finanzierungen lassen den Familien keinen Spielraum mehr im Leben. Unzufriedenheit stellt sich ein und nicht selten wendet sich ein Partner von der Familie, weil der Druck zu groß wird, nur noch für das Dach über dem Kopf arbeiten und leben zu müssen. Fatalerweise haben gerade solche Immobilieninteressenten zwar kein Eigenkapital, dafür aber Kredite für Autos und sonstigen Konsum. Nach wie vor spielen aber leider auch Kreditinstitute mit, wenn es darum geht, solche Finanzierungen durchzuboxen, auch wenn erkennbar ist, dass das bisherige Leben nur auf Pump gestaltet wurde. Früher undenkbar, werden heute sogar Nebenkosten, wie Gebühren für Notar, Grundbuchamt und Grunderwerbsteuer mitfinanziert. Geschäft ist schließlich Geschäft. Der Darlehensnehmer bekommt dann zwar keinen Superzins, aber sein Haus, was er ja anscheinend haben muss. Ganz schnell werden Bauherren und Erwerber jedoch feststellen, dass es ohne eigene flüssige Mittel nicht, oder nur ganz schlecht funktioniert.

Kaum hat man das Grundstück oder das Haus erworben, hält der Makler die Hand auf, flattert auch schon die Rechnung des Notars ins Haus, meldet sich das Finanzamt mit dem Bescheid für die Grunderwerbsteuer, die Hausbaufirma will die erste Rate für die Planung sowie den Bauantrag haben und viele bis dato unbekannte Ämter wollen völlig berechtigt Geld. Ganz schnell und ohne sich anstrengen zu müssen, zerrinnt das Geld.
Wer baut, vergrößert in der Regel auch seine Wohnfläche. Mehr Räume bedeutet natürlich auch mehr Möbel, neue Gardinen usw. Wer hier kein finanzielles Polster hat, stößt sofort an seine Grenzen. Fazit: Eine Finanzierung ohne Eigenkapital ist ein ganz schlechtes Fundament. Wie viel Geld soll es denn nun aber sein ?

Die Antwort ist einfach!

Soviel, wie möglich(!), denn alles was an Eigenkapital aktiviert werden kann, muss nicht mit Kredit finanziert werden. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass die Kreditinstitute eine gute Eigenkapitalquote mit Topkonditionen belohnen.
Ignorieren Sie die Werbung der Immobilienbranche, die behauptet, es gehe auch ohne „Kohle“ und „für´n Appel und´n Ei“ direkt in die eigenen vier Wände.
Die Verlockung ist groß, doch der Sachverstand sagt NEIN.
Die Zwangsversteigerungszahlen sprechen eine deutliche Sprache.